Schülerinnen und Schüler übernehmen als Experten den Unterricht für ihre Mitschüler?

Ich bin skeptisch, ob das klappen kann und in meiner Vorstellung geht da so einiges drunter und drüber.

„Komm mit und mach´ dir selber mal einen Eindruck“, meint Bildungsgangleiter Horst Wiedemann und führt mich durch die einzelnen Klassenräume, in denen die Experten der GTA Unter- und Oberstufe ihre Workshops anbieten.

Seit mehr als acht Wochen wird die GTA Projektwoche vorbereitet. Die Experten haben ihr Angebot beworben und die Mitschüler konnten sich je nach Neigung und Interesse zuordnen.

Nun bietet Eric Mendicino im ersten Rechnerraum eine Einführung in die 3D-Animation an. Hochkonzentriert arbeiten die Teilnehmer an den PCs an einer Küchenplanung. Eric erläutert das Programm und beantwortet routiniert wie ein Profi die Fragen seiner Mitschüler. Nebenan erarbeitet Jerôme Dutka mit seinem Team ein Bewerbungsportfolio. Am Morgen sind die Bilder entstanden, die nun mit Photoshop bearbeitet werden. „Die Mappen werden von uns für die Praktikumssuche oder auch für die Bewerbung an der Fachhochschule erstellt“, erklärt Jerôme. „An dieser Stelle zeigen wir bereits, was wir können.“

In der 3. Etage haben sich die kreativen Zeichnerinnen und Zeichner eingefunden. Michelle, Anika und Selvi haben ihren Gruppenteilnehmern jeweils zwei völlig verschiedene Begriffe zugelost, zu denen nun eindrucksvoll innovative Zeichnungen mit unterschiedlichen Techniken entstehen. Kiwi und Kaffeetasse fügen sich da beispielsweise harmonisch in ein Wasserfarbenbild und ein Elefant wird zum Blumentopf.

Christina, Cosma und Flora sind die Expertinnen für die Manga-Anime-Zeichnungen, von denen einige die Qualität guter Comiczeichnungen aufweisen. Auch hier arbeiten alle konzentriert und mit sichtbarer Freude an den entstehenden Produkten.

Nele, Mona und Marie bieten ein „Bullet Journaling“ an. Die Teilnehmer gestalten individuelle Timer, die viel zu wertvoll für einen Gebrauch erscheinen. Vor allem eine Zeichentechnik, die sich anscheinend tausender schwarzer kleiner Punkte bedient und daraus ein stimmiges Ganzes herstellt, bezaubert mich.

Im Fotolabor ist es dagegen dunkel. Sehr dunkel. Und laut, denn Martin, Muammer und Leonardo sind der Überzeugung, dass Musik der Kreativität guttut. Sie haben ihre Gruppe mit speziellen Fotografie-Aufträgen durch das Schulgebäude geschickt. Zeit also, sich die ausdrucksstarken Low-Key- Aufnahmen der drei Fachleute zeigen zu lassen. In einer anderen Ecke des Fotolabors versuchen sich zwei Schülerinnen an dem Gegenstück, den High-Key-Aufnahmen und kommen sich beim Fotografieren ihrer Augen lachend so nahe, dass die professionelle Studioleuchte ins Straucheln gerät.

Ok. Ich bin überzeugt. Die Schülerinnen und Schüler lernen voneinander, organisieren ihre Workshops mit Hilfe der Kolleginnen und Kollegen selbst und arbeiten konzentriert und ergebnisorientiert. „Wir sind überzeugt, dass das Konzept den Lernenden hilft, ihre Fähigkeiten zu entwickeln“, sagt Horst Wiedemann am Schluss des Rundgangs, „deswegen bieten wir die Projektwoche trotz all der vielen Vorbereitungs- und Organisationsarbeit, die die Unterrichtenden leisten müssen, auch sicherlich im nächsten Jahr wieder an!“

Sabine Kannen

Fotos: Horst Wiedemann

Fotos, die während der Abschlusspräsentation am 31.01.2020 entstanden sind: